Ein Park, in dem man über Leitern wandert
Der Slovenský raj — das Slowakische Paradies — ist seit 1988 Nationalpark und hat unter Europas Gebirgen in einer Disziplin kaum Konkurrenz: bei den Schluchten. Bäche haben hier über Jahrtausende enge Klammen mit Wasserfällen in den Kalkstein gegraben, die für normale Wanderer unzugänglich wären — hätten Freiwillige sie nicht schon vor hundert Jahren mit Leitern, Steigeisen, Ketten und Holzstegen erschlossen. Das Ergebnis ist ein Wandererlebnis, das streckenweise an einen leichten Klettersteig erinnert und trotzdem von jedem gesunden Menschen mit etwas Mut zu bewältigen ist. Kinder ab sechs, sieben Jahren haben daran meist mehr Freude als die Erwachsenen.
Suchá Belá — der Klassiker
Die beliebteste Schlucht des Parks ist die Suchá Belá, die direkt an der Siedlung Podlesok beginnt. Auf knapp vier Kilometern überwindet man rund 400 Höhenmeter, größtenteils über Leitern und Steighilfen entlang von Wasserfällen — am häufigsten fotografiert werden die Misové-Wasserfälle und der Fensterwasserfall. Die Schlucht ist eine Einbahnstraße: Begangen wird sie ausschließlich bergauf, in der Hochsaison gibt es also kein Zurück auf demselben Weg. Planen Sie zwei bis drei Stunden ein, und kommen Sie an Ferienwochenenden vor neun Uhr, sonst steht man unter den Leitern Schlange.
Hornád-Durchbruch und Tomášovský výhľad
Das zweite Gesicht des Parks ist der Prielom Hornádu, ein fast zwölf Kilometer langer Flusscanyon, den man auf Stegen und Trittbügeln durchquert, die direkt in die Felswände über dem Wasser geschlagen sind. Die Strecke von Podlesok nach Čingov ist konditionell einfach, gehört als Erlebnis aber zum Besten, was die Slowakei zu bieten hat. Hoch über dem Canyon ragt der Tomášovský výhľad auf, eine berühmte Felsterrasse, die wie ein Balkon über dem Tal schwebt — bei Sonnenuntergang einer der schönsten Orte der ganzen Zips und ein beliebter Treffpunkt der Kletterer. Von Čingov erreicht man ihn in knapp einer Stunde.
Kláštorisko und die Wasserfälle
Mitten im Park, auf einer Hochebene, liegen die Ruinen eines Kartäuserklosters aus dem 13. Jahrhundert — Kláštorisko. Die Mönche wählten den Ort gerade wegen seiner Abgeschiedenheit, und bis heute ist es die einzige Stelle im Herzen des Parks, an der eine Berghütte Verpflegung anbietet. Die meisten Rundwege kreuzen sich hier — der natürliche Platz für die Mittagspause. Wer Wasserfälle liebt, sollte den Závojový vodopád in der Schlucht Sokolia dolina nicht auslassen, den höchsten des Parks: Der Aufstieg über Leitern unmittelbar neben dem fallenden Wasser bleibt unvergesslich.
Ausgangspunkte: Podlesok, Čingov, Spišská Nová Ves
Beste Basis für den Westteil des Parks ist der Campingplatz Podlesok bei Hrabušice, Startpunkt sowohl der Suchá Belá als auch des Hornád-Durchbruchs. Das östliche Tor ist Čingov, nur wenige Kilometer von der Stadt Spišská Nová Ves entfernt, die die größte Auswahl an Unterkünften und gute Bahnverbindungen bietet. Innerhalb der Parkgrenzen liegt zudem die weltberühmte Eishöhle von Dobšiná, ein UNESCO-Welterbe — das perfekte Programm für einen Regentag.
Praktische Tipps zum Schluss
Die Schluchten des Slowakischen Paradieses sind Einbahnwege und werden nur bergauf begangen — der Abstieg führt stets über bequeme Waldpfade. Der Eintritt in die bekanntesten Schluchten kostet wenige Euro pro Person und Tag; das Geld fließt in die Instandhaltung der Leitern.
- Feste Trekkingschuhe sind Pflicht — Holzstufen und Fels am Wasser sind selbst bei Trockenheit rutschig.
- Die klassische Runde Podlesok — Suchá Belá — Kláštorisko — Hornád-Durchbruch — Podlesok misst rund 15 km; rechnen Sie mit sechs bis sieben Stunden.
- Beste Saison ist Mai bis Oktober; im Winter sind die Schluchten nur mit Erfahrung und passender Ausrüstung begehbar.
- Proviant und Wasser mitnehmen — außer auf Kláštorisko und an den Ausgangspunkten gibt es im Park nichts zu kaufen.
Das Slowakische Paradies lässt sich weder vom Auto aus erleben noch von einer Aussichtsplattform abfotografieren. Man muss die Kette packen, die Leiter hinaufsteigen und sich von der Schlucht verschlucken lassen — genau deshalb kommen die Menschen wieder.