Ein Land mit mehr als 7.000 Höhlen
Unter der Oberfläche der Slowakei verbirgt sich eine Welt, die in Mitteleuropa ihresgleichen sucht. Höhlenforscher haben bislang mehr als 7.000 Höhlen und Schächte registriert, und jedes Jahr kommen neue Entdeckungen hinzu. Gut ein Dutzend davon ist für Besucher erschlossen — von märchenhaften Tropfsteindomen über unterirdische Gletscher bis zu einer echten Weltrarität aus Aragonit. Die Höhlen des Slowakischen Karstes stehen seit 1995 auf der Welterbeliste der UNESCO, und zwar in einer gemeinsamen grenzüberschreitenden Eintragung mit dem Aggtelek-Karst auf der ungarischen Seite.
Domica und der unterirdische Fluss Styx
Die bekannteste Höhle des Slowakischen Karstes ist Domica bei Plešivec, nur wenige Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt. Durch sie fließt ein unterirdischer Bach mit dem passenden Namen Styx, und bei ausreichendem Wasserstand wird ein Teil der Führung per Boot zurückgelegt — ein Erlebnis, das es sonst nirgendwo in der Slowakei gibt. Domica bildet zudem ein einziges System mit der ungarischen Baradla-Höhle; zusammen messen beide über 25 Kilometer, man kann also unterirdisch symbolisch von einem Land ins andere wechseln. Sehenswert sind die schildförmigen Tropfsteine, die terrassenartigen Sinterbecken und die große Fledermauskolonie, die hier überwintert.
Aragonithöhle von Ochtiná — eine Weltrarität
Zwischen Rožňava und Jelšava versteckt sich eine Höhle, wie man sie kaum irgendwo besichtigen kann: Die Ochtinská aragonitová jaskyňa ist eine von weltweit nur drei Aragonit-Schauhöhlen. Statt klassischer Stalaktiten wachsen hier schneeweiße Büschel, Nadeln und Spiralen aus Aragonit aus den Wänden, die an Korallen oder eingefrorene Feuerwerke erinnern. Die Führung ist mit etwa einer halben Stunde kurz, doch der sogenannte Milchstraßensaal zählt zu den fotogensten unterirdischen Räumen Europas.
Eishöhle von Dobšiná — ein Gletscher unter der Erde
Am Rand des Nationalparks Slowakisches Paradies liegt eine Höhle, die im Jahr 2000 als Weltrarität in die UNESCO-Eintragung aufgenommen wurde: die Dobšinská ľadová jaskyňa, die Eishöhle von Dobšiná. Ihre Eisfüllung erreicht stellenweise eine Mächtigkeit von rund 25 Metern und wird auf weit über hunderttausend Kubikmeter geschätzt. Bereits 1887 wurde sie als eine der ersten Höhlen Europas elektrisch beleuchtet. Im Inneren herrschen selbst im Hochsommer Temperaturen um den Gefrierpunkt — warme Jacke, Mütze und festes Schuhwerk gehören ins Gepäck, die Stufen können glatt sein.
Demänová-Tal, Belianska und weitere Höhlen
In der Region Liptov, unweit von Liptovský Mikuláš, liegt das meistbesuchte Höhlensystem des Landes. Die Demänová-Freiheitshöhle (Demänovská jaskyňa slobody) begeistert mit reichem Sinterschmuck und farbigen Seen, die benachbarte Demänová-Eishöhle verbindet Eisbildungen mit mächtigen Domen. In der Hohen Tatra lohnt die Belianska-Höhle in Tatranská Kotlina einen Stopp — sie ist die einzige Schauhöhle des gesamten Tatra-Gebirges. In der Mittelslowakei wird die Bystrianska-Höhle bei Podbrezová auch für Atemwegs-Speläotherapie genutzt.
Praktische Hinweise für den Besuch
Alle Schauhöhlen der Slowakei können ausschließlich mit Führung besichtigt werden, die Eintritte erfolgen zu festen Zeiten, meist stündlich. Eine Tour dauert 45 bis 75 Minuten, Erwachsene zahlen orientierungshalber 8 bis 12 Euro, Kinder und Studierende weniger.
- In den Tropfsteinhöhlen herrschen ganzjährig nur 4 bis 7 °C — Pullover und festes Schuhwerk sind Pflicht.
- Die meisten Höhlen öffnen von Frühjahr bis Herbst; die Eishöhle von Dobšiná meist nur von Mitte Mai bis Ende September, montags ist häufig Ruhetag.
- Domica und Ochtiná erreicht man von Rožňava in rund 30 Minuten, die Demänová-Höhlen liegen an der Straße zum Chopok, Belianska bei Ždiar.
- Zwei Höhlen an einem Tag sind realistisch — gute Kombinationen sind Domica mit Ochtiná oder die beiden Demänová-Höhlen.
Wer nur Zeit für eine einzige Höhle hat, wählt nach Geschmack: Domica bietet die Bootsfahrt auf dem Styx, Ochtiná die Weltrarität und Dobšiná einen atemberaubenden unterirdischen Gletscher. Falsch liegt man mit keiner der drei.