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Košice und die Ostslowakei: Dom, Tokajer und ein Geysir

Turistic · 09.07.2026

Košice, das historische Kaschau, ist die zweitgrößte Stadt der Slowakei — und wirkt doch nie wie eine Nummer zwei. Die Altstadt zählt zu den schönsten Mitteleuropas, das Kulturleben hat seinen eigenen, selbstbewussten Rhythmus, und das Umland bietet Ausflüge, die keine andere Region des Landes zu bieten hat: Holzkirchen, Weinberge, Karstschluchten und sogar einen Geysir. Wer bisher immer in der Tatra Halt gemacht hat, sollte diesmal weiter nach Osten fahren.

Der Elisabeth-Dom: Gotik am Rand des Westens

Das Herz der Stadt ist der Dom der heiligen Elisabeth, die größte Kirche der Slowakei und die am weitesten östlich gelegene gotische Kathedrale des westeuropäischen Typs. Der Bau begann Ende des 14. Jahrhunderts; im Inneren beeindrucken der kostbare Flügelhochaltar und eine seltene doppelläufige Wendeltreppe. In der Krypta ruht Franz II. Rákóczi, der Anführer des großen Aufstands gegen die Habsburger, dessen Gebeine 1906 feierlich hierher überführt wurden. Der Aufstieg auf den Nordturm lohnt sich — der Blick über die roten Dächer der Altstadt entschädigt für jede Stufe.

Die Hlavná: Korso, Paläste und singende Fontäne

Košice hat keinen klassischen Hauptplatz, sondern einen linsenförmigen Korso: die Hlavná-Straße, gesäumt von Bürgerpalais, dem Urban-Turm und dem historischen Staatstheater. Im Parkstreifen zwischen Dom und Theater spielt die berühmte singende Fontäne, an der sich an Sommerabenden die halbe Stadt trifft. Am besten einen Cafétisch ergattern, einen Kaffee bestellen und das Flanieren beobachten — die Einheimischen haben den Abendspaziergang zur Kunstform erhoben. Literaturfreunde besuchen die Gedenkstube des Schriftstellers Sándor Márai, des berühmtesten Sohnes der Stadt.

Kulturhauptstadt Europas und der Kulturpark

Der Titel Kulturhauptstadt Europas 2013 hat Košice sichtbar beflügelt. Aus einer ehemaligen Kaserne wurde das Areal Kasárne/Kulturpark — ein Kreativviertel mit Galerien, Konzerträumen und Ateliers, ergänzt durch die umgebaute Tabakfabrik Tabačka Kulturfabrik. Das Ergebnis: eine Stadt, die tiefe Geschichte mit echter Gegenwartsenergie verbindet.

Ausflüge: Bardejov, Prešov und Holzkirchen

Anderthalb Stunden nördlich liegt Bardejov, seit 2000 UNESCO-Welterbe — sein Renaissance-Marktplatz mit Rathaus und der Basilika des heiligen Ägidius gehört zu den besterhaltenen Mitteleuropas. Auf dem Rückweg lohnt ein Halt in Prešov, der drittgrößten Stadt des Landes, mit langgezogenem Platz und entspannter Atmosphäre. In den Dörfern der Region verstecken sich Holzkirchen des Ostritus, mehrere davon ebenfalls auf der UNESCO-Liste.

Tokaj, das slowakische Meer und ein Geysir

Der Südosten gehört dem Wein: Der slowakische Teil des Tokajer Anbaugebiets lädt zu Verkostungen in Tuffsteinkellern, am bekanntesten in Malá Tŕňa — eine Flasche edler Tokajer Auslese kostet hier einen Bruchteil der Preise jenseits der Grenze. Etwas weiter östlich erstreckt sich die Zemplínska šírava, das „slowakische Meer“, mit Stränden und Wassersport. Und in Herľany, 28 Kilometer von Košice, bricht ein einzigartiger Kaltwassergeysir etwa alle 32 bis 36 Stunden mehrere Meter hoch aus — die Eruptionszeiten stehen online, also vorher planen.

Slowakischer Karst: Jasov und die Zádiel-Schlucht

Westlich von Košice erhebt sich der Slowakische Karst. Jasov lockt mit Prämonstratenserkloster und Schauhöhle, das stärkste Erlebnis aber ist die Zádielska tiesňava — eine Schlucht mit über 300 Meter hohen Kalkwänden, durch die ein bequemer Wanderweg führt. Ideal für einen unanstrengenden Halbtagesausflug.

Praktische Hinweise

  • Anreise: Der IC-Zug ab Bratislava braucht rund 5 Stunden (ab ca. 20 Euro), mit dem Auto über die D1 ähnlich lang. Košice hat zudem einen internationalen Flughafen.
  • Dauer: 2–3 Tage — einer für die Stadt, der Rest für Bardejov, Tokaj oder den Karst.
  • Preise: Dom mit Turm unter 5 Euro, Mittagessen 7–12 Euro, Weinverkostung ab etwa 10 Euro.
  • Tipp: Für die Ausflüge ist ein Auto praktisch; Bardejov und Prešov erreicht man aber auch bequem per Bahn oder Bus.

Die Ostslowakei ist die Region, in der die Touristenströme dünner werden und die Erlebnisse dichter. Košice ist die perfekte Basis — eine Stadt, die überrascht, und ein Umland, das einen länger festhält als geplant.

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